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 Betreff des Beitrags: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 05 Feb 2013 10:27 
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Registriert: 07 Mai 2009 09:14
Beiträge: 789
Wohnort: Köln
Heute früh war ich irgendwie "auf Krawall gebürstet" und musste meinem Groll gegenüber einer Kölner Tageszeitung Luft verschaffen :evil: Aber lest doch selbst:


Kölner Stadt-Anzeiger
Neven DuMont-Haus
Amsterdamer Str.192
50735 Köln
z.Hd.v. Herrn Peter Pauls, Chefredakteur
-persönlich-


Betrifft: Umgang des KStA mit Interview-Partnern und treuen Lesern des Blattes


Sehr geehrter Herr Chefredakteur Pauls,

Ich bin Neurochirurg und Spezialist für Wirbelsäulen-Operationen in Aachen. In meiner Freizeit betätige ich mich als Autor von Romanen und Kurzgeschichten.
Es ist nunmehr fast drei Jahre her, da erschien mein Kurzgeschichten-Band "Abgründe". Ihre Lokal-Redakteurin Frau Lampe hatte es seinerzeit interessiert, warum ein Arzt neben seinem Beruf „abgründige“ Geschichten schreibt. Sie bot mir ein Interview an, zu dem ich auch brav ins Neven DuMont-Haus auf der Amsterdamer-Straße erschien. Es wurden bei dieser Gelegenheit auch Fotos gemacht. Der Artikel sollte innerhalb von 2 bis 3 Wochen in Ihrer Zeitung erscheinen.
In der Tat vergingen drei Wochen, dann auch vier, aber der Artikel erschien nicht. Nach einem Telefonat mit Frau Lampe wurde mir aber versichert, dass das Interview bald im Lokalteil zu lesen sein würde. Dem war aber nicht so! Auf eine weitere Mail von meiner Seite reagierte Frau Lampe nicht.
Eine Begründung für das Nichterscheinen des Beitrags habe ich niemals erhalten. Ich selbst vermute aber, dass als Ursache das fast zeitgleiche Erscheinen des Buches "Abgründe" aus dem Heyne-Verlag in Frage kommt, in dem ein Münchner Kriminal-Kommissar die interessantesten Mord-Fälle seiner beruflichen Laufbahn beschrieb. Denn über dieses Buch hat Ihr Blatt dann auch kurze Zeit später ausführlich berichtet.
Doch selbst wenn es so war, warum teilt man mir das dann nicht mit? Aber einfach schweigen und einen unbedeutenden Hobby-Autoren ignorieren? Das kann doch nicht der Stil Ihres Verlags-Hauses sein, oder?
Doch die Geschichte geht weiter:
Kürzlich ist mein Köln-Krimi "Brutus und der Rotlicht-Kolibri" im Sarturia-Verlag erschienen. Das Buch wurde auf der letzten Frankfurter Buchmesse vorgestellt. Anfang Januar las ich in Ihrer Zeitung, dass Frau Lampe irgendwann am Bürger-Telefon für die Leser zur Verfügung stand. Auch ihre email-Adresse wurde zu diesem Zweck veröffentlicht. Zunächst war ich überrascht: Frau Lampe war - glücklicherweise!- nicht plötzlich verstorben oder in einen indischen Ashram abgewandert. Aber warum hatte sie nie wieder von sich hören lassen?
Also versuchte ich mein Glück aufs Neue. Ich schickte ihr eine Mail mit der Frage, ob sie an einem Bericht über meinen neuen Krimi interessiert sei. Was soll ich sagen? Keine Antwort!
Hat Frau Lampe wirklich so wenig Zeit, dass es ihr unmöglich ist, eine Anfrage eines ehemaligen Interview-Partners zu beantworten? Hat die arme Frau Lampe noch nicht einmal einen Praktikanten, der ihr Kaffee kocht oder sie zwischendurch den Nacken massiert, der zumindest in ihrem Namen in einem Dreizeiler einem lästigen Bittsteller eine knappe aber deutliche Absage erteilt?
Bitte glauben Sie mir, dass ich als Arzt, der vor allem operativ tätig ist, ebenfalls nur über begrenzte Zeitressourcen verfüge. Doch wenn ich einen Brief oder eine Mail eines Patienten erhalte, dann kann der sicher sein, auch Antwort auf seine Fragen zu bekommen. Denn wenn ich das nicht tun würde und sich der Patient bei Ihrer Zeitung darüber beschwert, dann wäre das sicher dankbarer Stoff für einen Artikel in Ihrer nächsten Ausgabe!
Diesmal sende ich Ihnen dieses Schreiben als Brief per altmodischer Post und nicht als email. Vielleicht ist meine Chance dann größer, dass mein empörter Aufschrei nicht wieder als Flaschenpost im Meer der Ignoranz herumdümpelt. Ich habe immer noch Hoffnung, wenn nicht als Hobby-Autor, dann zumindest als jahrzehntelanger Abonnent Ihrer Zeitung wahrgenommen und einer Antwort für würdig befunden zu werden.

Mit unverdrossen freundlichen Grüßen

Dr. Paul Sanker

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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 05 Feb 2013 11:01 
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Registriert: 29 Mär 2012 19:23
Beiträge: 98
Wohnort: 35085 Ebsdorfergrund
Ich bin in der Zeitungsbranche tätig und habe daher Insiderwissen.

Viele Autoren begehen den Fehler, zu glauben, dass Zeitungen verpflöichtet wären, Interviews usw. zu bringen.
Die Veröffentlichungsschance steigt jedoch um ein Vielfaches, wenn man den zuständigen Redakteuren einen fertigen PR-Bericht zusendet - mit Foto des Buches und kurzer Vita des Autors. Dann müssen die nicht mehr denken, sich den Kopf zerbrechen oder sonst irgendwie ins Grübeln kommen.

In der Zeitungsbranche gibt es kaum feste Veröffentlichungstermine für Buchbesprechungen usw. Das wird eben so lange "geschoben" bis es passt. Wartezeiten von 3-4 Wochen sind durchaus zu akzeptieren.

Dieser "Drohbrief" wird die Zeitung ganz sicher nicht wachrütteln, sondern vielleicht sogar dazu veranlassen, künftige Anfragen einfach sofort zu ignorieren. Zeitungsmenschen sind sehr von sich eingenommen und halten sich für allwissend. Viele von ihnen kennen noch nicht einmal den Unterschied zwischen normalen Verlagen und DKZ-Dienstleistern. Die interessiert nur der lokale Bezug.

Ich würde raten, für die zukünftige Vorgehensweise, fix und fertige PR-Berichte einzureichen. ich mache das so seit 30 Jahren, und ich bekomme IMMER eine Veröffentlichung von den Titeln, bei denen ich das publik machen möchte.

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Mit freundlichen Grüßen / Best Regards

Alfred Wallon

Schreiben ist keine Träumerei, sondern ein solides Handwerk.


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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 05 Feb 2013 11:10 
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Registriert: 07 Mai 2009 09:14
Beiträge: 789
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alfredwallon hat geschrieben:
Dieser "Drohbrief" wird die Zeitung ganz sicher nicht wachrütteln, sondern vielleicht sogar dazu veranlassen, künftige Anfragen einfach sofort zu ignorieren. Zeitungsmenschen sind sehr von sich eingenommen und halten sich für allwissend. Viele von ihnen kennen noch nicht einmal den Unterschied zwischen normalen Verlagen und DKZ-Dienstleistern. Die interessiert nur der lokale Bezug.



Zunächst einmal empfinde ich das nicht als "Drohbrief"(??) Womit drohe ich denn? Ich habe einfach meinen Unmut zum Ausdruck gebracht. Und das ist mein Recht. Auf eine "Antwort" warte ich schon längst nicht mehr. Damit habe ich aufgrund des bisherigen Verhaltens des Blattes abgeschlossen.
Außerdem habe ich nicht um einen Interview-Termin gebeten. Das Interview ist vielmehr auf Einladung der Redakteurin vor 3 Jahren erfolgt. Sogar ein Fotograf war anwesend. Ich habe mir extra Zeit genommen und bin dazu ins Verlagshaus gekommen... Nur dass danach nichts mehr passiert ist und die Herrschaften es nicht für nötig befanden, mir zu antworten. Ich wiederhole es noch einmal: Wehe ein Arzt würde seinen Patienten so unachtsam behandeln! Dann wäre das sofort ein gefundenes Fressen für die Presse...

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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 05 Feb 2013 11:34 
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Beiträge: 98
Wohnort: 35085 Ebsdorfergrund
Sehr geehrter Herr Dr.Sanker,

wenn ich als Chefredakteur einen Brief mit diesem Inhalt bekommen würde - ich darf mal zitieren:

"Hat Frau Lampe wirklich so wenig Zeit, dass es ihr unmöglich ist, eine Anfrage eines ehemaligen Interview-Partners zu beantworten? Hat die arme Frau Lampe noch nicht einmal einen Praktikanten, der ihr Kaffee kocht oder sie zwischendurch den Nacken massiert, der zumindest in ihrem Namen in einem Dreizeiler einem lästigen Bittsteller eine knappe aber deutliche Absage erteilt?"

- dann würde ich diesen Brief rascher entsorgen, als der Schreiber denkt.
Es gibt in der Zeitungsbranche keinerlei Verpflichtungen, Artikel abzudrucken - ich sag´s noch einmal.

Ich wünsche dennoch viel Glück - aber mit dieser Methode werden Sie unter Umständen nicht weiterkommen.
Da ist etwas mehr Diplomatie hilfreicher...

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Alfred Wallon

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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 05 Feb 2013 11:42 
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Ich glaube Herr Wallon, dass wir da unterschiedliche Sprachen sprechen. Ich muss nicht wiederholen, wie ich von dem Blatt behandelt wurde. Es geht mir nicht ums "abdrucken"! Es geht um Anstand. Es geht darum, auf eine berechtigte Frage eines Interview-Partners zu ANTWORTEN. Und wenn die Antwort von ablehnender Art ist, dann wird das von mir akzeptiert. Aber Ignoranz ist Missachtung der Person. Und dies bringe ich zum Ausdruck. Und falls ich erneut keine Antwort bekomme? Dann ist es auch gut und ich lese ab sofort eine andere Tageszeitung. Basta!

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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 05 Feb 2013 12:12 
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Beiträge: 98
Wohnort: 35085 Ebsdorfergrund
Ich glaube nicht, dass wir unterschiedliche Sprachen sprechen. Aber erwarten Sie bitte in dieser Gesellschaft nicht unbedingt Anstand. Das ist heutzutage eher eine Ausnahme. Ich weiß, wie die Mitarbeiter einiger Tageszeitungen denken - sehr oft von oben herab. Das wird sich vermutlich nicht mehr ändern lassen. Und wenn man diese Leute darauf anspricht, ernte man nur unverständlich Kopfschütteln.

Mir ist sowas natürlich auch schon passiert, dass ein bestimmter Bericht nicht veröffemtlicht wurde - aber dann merke ich mir das und gehe damit zum Wettbewerb, und die nehmen das umso lieber.

Ich hatte auch schon den Fall, dass meine lokae Tageszeitung im Vorfeld nicht darüber berichtet hatte, dass ich zu einem Gastauftritt in der Sendung PLANET WISSEN eingeladen war. Unmittelbar nach der Sendung rief mich der Chefredakteur an und fragte, warum ich die Zeitung darüber nicht nicht informiert habe. ich sagte ihm, dies sei der Fall gewesen, aber es sei nichts geschehen.

Kurz darauf erschien dann ein detailliertes Porträt in einem speziellen Magazin der Zeitungsgruppe ( s.Anlage )
War mir mehr als nur recht...


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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 05 Feb 2013 12:18 
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alfredwallon hat geschrieben:
Ich glaube nicht, dass wir unterschiedliche Sprachen sprechen. Aber erwarten Sie bitte in dieser Gesellschaft nicht unbedingt Anstand. Das ist heutzutage eher eine Ausnahme. Ich weiß, wie die Mitarbeiter einiger Tageszeitungen denken - sehr oft von oben herab. Das wird sich vermutlich nicht mehr ändern lassen. Und wenn man diese Leute darauf anspricht, ernte man nur unverständlich Kopfschütteln.



Genau! Da sind wir einer Meinung. Ich werde aber dennoch nicht müde, auf diese Kleinigkeiten wie Anstand und Rücksichtnahme hinzuweisen, auch wenn das furchtbar altmodisch ist. Aber immerhin ist ein Mann wie Alfred Neven DuMont immer noch der große alte Mann im Hintergrund der Zeitung, der noch für eine gewisse Presse-Kultur stehen sollte. Aber wahrscheinlich ist das auch nur eine naive Illusion von mir.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 05 Feb 2013 12:23 
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Vermutlich ist das so - aber bis dahin können Sie ( wenn Sie wollen ) Ihr Buch gerne in meiner facebook-Gruppe "Writers & Publishers" vorstellen. Dazu lade ich Sie herzlich ein.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 05 Feb 2013 12:57 
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Vielen Dank! Ich komme auf das Angebot gerne zurück!

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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 05 Feb 2013 14:23 
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Beiträge: 3614
Alfred? Paul?

Ich gestehe, ich bin mir nicht sicher, ob das inszeniert ist. :shock:

Beide habt ihr in gewissen Punkten recht und daher bin ich froh, dass ihr nicht auch noch in Streit geraten seid.

Lieber Paul,

ich verstehe dich sehr gut. Auch wenn wir zwei altmodischen Typen vielleicht nicht mehr zeitgerecht ticken mögen, sollten wir nie aufhören, darauf hinzuweisen, was sich gehört und was nicht. Ich bin gespannt, ob du eine Antwort bekommst und hoffe, du berichtest darüber.

Alfreds Erfahrungen kann ich nur bestätigen, eine Chance einen Bericht veröffentlich zu bekommen ist sehr hoch, wenn man ihn fix und fertig einreicht, und sich am Besten auch gleich noch mit Änderungen und/oder Kürzungen einverstanden erklärt.

In deinem Fall lag die Sache anders und da hätte es sich gehört, dir zumindest abzusagen.

Liebe Grüße

Marianne,

die bei eurem Dialog irgendwie an Loriot denken musste.

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Wer wenig denkt, irrt viel (Leonardo da Vinci)


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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 05 Feb 2013 16:12 
Schreiberling
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Beiträge: 1933
Wohnort: Winnert (bei Husum)
Ich finde es so oder so wichtig, dass Paul sich das von der Seele geschrieben hat. Ich mache das auch so. Sch*** drauf, ob das in dem Moment was bringt. Einmal laut "Himmikreizkruzefixhallelujasackerlzementkimmstrausausmlochdrecksbürscherldamisches" geschrien zu haben, ist allemal besser, als nur den ordentlichen Dienstweg zu gehen.
Und dass Journalisten auf andere Menschen herunterblicken, ist doch logisch. Säße ich wie die in den tiefen Löchern sprachlicher Unfähigkeiten, wäre das auch meine einzige Erbauung, so zu tun, als sei der Rest der Menschheit unter mir. (Hier bewahrheitet sich einmal mehr: Einbildung ist auch eine Bildung.)

My.

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| Mitglied im Verband der freien Lektorinnen und Lektoren e.V. (VFLL www.vfll.de)


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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 05 Feb 2013 16:13 
Geschichtenweber-Legende
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Registriert: 11 Nov 2004 13:45
Beiträge: 8412
Wohnort: Österreich
Ich fühle mit Dir. Mehr will ich dazu nicht sagen, auch wenn ich verstehen kann, dass es in Zeitungsredaktionen vielleicht auch mal hektisch zugeht und Menschen einfach manchmal nicht mehr können. Ich war auch sogar mit der Schreiberei so weit, dass ich Zusagen gebrochen habe, weil ich eine persönliche Krise hatte und alles so schwer geworden war.

Es gibt aber auch das Umgekehrte: Ich habe bei Leuten angefragt wegen Mail-Interviews. Zuerst Zusage mit Feuereifer. Dann ... nichts. Nach Anfragen immer wieder und immer wieder Vertröstungen. Und nein, es ist egal, dass das für eine kleine Seite ist. Das weiß man ja gleich und kann auch gleich Bescheid geben, dass man "generell keine Zeit" hat oder wie auch immer man höflich sagt, wenn man der Meinung ist, dass ein Projekt nichts taugt. Ich habe mich ja mit dem Gegenüber beschäftigt und mir die Fragen persönlich für die jeweilige Person maßgeschneidert erdacht, dazu ausschweifende Erklärungen ... Langsam verdrießt mich das und ich habe meinen Leuten gegenüber auch verkündet, dass es keine neuen Interviews mehr geben wird, solange ich keins von denen zurückbekommen habe. Wenn ich von drei Interviews bloß eins zurückbekomme (trotz vorheriger Zusage), dann ist mir die Quote einfach zu niedrig. Da kann ich auch was Besseres mit meiner Zeit anfangen. (Vor allem: Was habe ICH davon, wen anderen unbezahlt zu interviewen, außer Freude an der Thematik? Und wenn ich schon weiß, dass die eh wirklich wollen ...)


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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 05 Feb 2013 16:44 
Federhalter
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Registriert: 29 Mär 2012 19:23
Beiträge: 98
Wohnort: 35085 Ebsdorfergrund
@Marianne:

Keine Sorge, das war nicht inszeniert. Aber wie ich schon sagte, ich weiß wie Zeitungsleute ticken.

Ich hatte sogar schon ein persönliches Erlebnis, an das ich mich noch zurückerinnere: 1989 hatte ich ein Buch zur Besprechung an meine Lokalzeitung gegeben - natürlich mit verfasstem Pressebericht. Und es geschah nichts. Ich hab dann zweimal nachgefasst, und es geschah immer noch nichts. Dann kam von mir auch solch ein zorniger Brief an den zuständigen Redakteur.

Der Artikel wurde daraufhin in der Größe einer Postkarte veröffentlicht - mit 20 sachlichen Fehlern, die bewusst vom Redakteur in diesen Artikel hineingearbeitet wurden. Weil er sich von mir genervt fühlte. Der Verlag hat ihm daraufhin über den Hausannwalt zu einer Gegendarstellung aufgefordert, und die war dann richtig.

Seitdem mit ich etwas vorsichtig mit aufbrausenden Briefen. Aber wenn ich merke, dass die Jungs sich wieder mal zuviel Zeit mit der Veröffentlichung lassen, kontaktiere ich sofort den Wettbewerb und mache denen eine Exklusivzusage einer Veröffentlichung. Das wirkt dann immer Wunder, wenn der Wettbewerb wieder mal schneller gewesen ist. Diese Spielchen beherrsche ich sehr gut...

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Alfred Wallon

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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 06 Feb 2013 11:51 
Buchstabenmaler
Buchstabenmaler

Registriert: 30 Nov 2011 13:48
Beiträge: 121
Darf man Anstand einfordern?
Wenn man es für richtig erachtet, muss man es sogar.
Man kämpft nicht gegen Windmühlen, weil man zu gewinnen hofft, sondern um sich selbst nicht zu verlieren.

_________________
Leben und Sterben des Kanakiwaldes
Leseprobe
Die Abenteuer der Gotara Band 1


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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn einem der Kragen platzt...
BeitragVerfasst: 07 Feb 2013 10:16 
Buchstabenmaler
Buchstabenmaler

Registriert: 27 Mär 2012 20:51
Beiträge: 236
Hallo Paul,

dass dir von Seiten des Zeitungshauses so mitgespielt wurde, tut mir leid, und deinen Frust kann ich nur zu gut verstehen, aber ... als ich deinen Brief las mit all dem Zorn dazwischen, da dachte ich, dass man das so besser nicht schreiben sollte. Im Zweifel sitzt der Redakteur am längeren Hebel, siehe die Erfahrungen von Herrn Wallon. So ein Zeitungsverlag scheint in gewisser Weise wie eine Stierkampfarena, wer den Bullen packen will, sollte mit kühlem Kopf rangehen ...

Gruß
Obandine


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