FORUM der Edition Geschichtenweber

Hier treffen sich Geschichtenweber, Leser, Autoren, Herausgeber und Verleger. Wir weben Geschichten, den Stoff der Fantasie.
Aktuelle Zeit: 23 Feb 2019 02:13

Ändere Schriftgröße


Forumsregeln


Offener Bereich. Für Gäste und Suchmaschinen einsehbar.



Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 37 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3  Nächste
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: 25 Jun 2013 20:42 
Administrator
Administrator
Benutzeravatar

Registriert: 24 Aug 2004 14:05
Beiträge: 4979
Wohnort: Rostock
Ben B. Black hat geschrieben:
Jetzt gibt es aber ein anderes Problem: Ich selbst zum Beispiel rege mich immer mehr über diese "political correctenss" auf, die uns nicht nur einen Maulkorb anlegt, sondern auch im Begriff ist, unser Denken in eine bestimmte Richtung zu drängen. Ich für meinen Teil verstehe nicht, warum ich einen Schwarzen nicht weiterhin "Neger" nennen darf (das Wort war für mich nie "böse", ist es auch heute nicht, wertet in meinen Augen auch nicht, und ich sehe einen deutlichen Unterschied zu "Nigger", das ist nämlich ein Schimpfwort).


Ich mache das eigentlich nicht gerne, weil es am Thema des Threads ein bisschen vorbei geht, aber hier sei mir nun doch erlaubt, direkt darauf zu antworten. Dabei bleibt es dann von meiner Seite auch.

Es ist ja dein gutes Recht, Worte zu bewerten, wie du es möchtest, Ben, entscheidender ist doch aber, wie sie derjenige auffasst, den du so benennst. Und du kannst sicher sein, würdest du mich in einer Kommunikation Neger nennen, wäre unsere Kommunikation gleich wieder beendet. Da kannst du noch so sehr darauf beharren, dass du das nicht als Schimpfwort empfindest.

_________________
Zum Autor
Zum Lektor
Hilfe für Autoren


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 26 Jun 2013 06:10 
Seitenstricker
Seitenstricker

Registriert: 07 Mai 2009 09:14
Beiträge: 785
Wohnort: Köln
Ein Wort kann nur so "schlecht" sein, wie die Gesinnung, die dahinter steckt.

_________________
http://www.abelinkun.de


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 26 Jun 2013 07:12 
Geschichtenweber-Lehrling
Geschichtenweber-Lehrling
Benutzeravatar

Registriert: 07 Okt 2008 18:38
Beiträge: 3494
Wohnort: Darmstadt
Wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Bedeutung von Worten sich im Laufe der Zeit ändert - und in letzter Zeit immer schneller. Wo beginnt die Diskriminierung? Wenn wir bemerken: "Der hat eine große Nase" oder bei "Der ist ein Neger"? "Zigeuner" haben sich vor kurzem dagegen gewehrt, "Szinti und Roma" genannt zu werden, weil ihre Volksgruppe aus mehr als diesen beiden Völkern besteht. Warum wird Kindern beigebracht, körperliche Unterschiede unter Menschen unterschiedlich zu beurteilen? Die Hautfarbe darf man bitte nicht erwähnen, aber die Beschaffenheit der Extremitäten oder die Gesichtsmerkmale - darüber darf man hemmungslos schwadronieren. Und erst recht über das Körpergewicht. Erwähnte ich Blondinenwitze? Selbst das Zitieren von Statistiken muss politisch korekt bleiben.

"Lehrling" wurde vor Jahren "Auszubildender". Hat sich dadurch das Verhalten des "Azubis" oder seines Ausbilders geändert?

Abel, ich denke, dass deine Belange am besten die Form einer Satire haben sollte, da stimme ich CanBorges zu, und genauso, dass es schwierig ist. So manche Satire wurde als real genommen und dementsprechend zerpflückt (Wer weiß denn noch, dass Gullivers Reisen eine böse Satire war?). Auch ich habe mir nach einer Satire sagen lassen müssen, ich sei ein sexsüchtiger Mann(!). Also kommt es nicht nur darauf an, gut zu schreiben, sondern auch auf das Publikum.
Ich könnte mir vorstellen, das Thema als Generationenkonflikt darzustellen. Opa wird vom Enkel korrigiert und bringt das Thema auf, warum neue Worte neue Sachverhalte schaffen sollten. Warum wir uns über eine große Nase lustig machen dürfen, über eine dunkle Hautfarbe nicht. Warum eine Führungsposition trotz aller Emanzipation noch immer vom Geschlecht abhängig gemacht wird. Warum niemand weiß, dass die größte Ungerechtigkeit ist, zwei Menschen gleich zu behandeln.

_________________
Die Hexe muss brennen - Die Huren des Apothekers - Die Morde der Hebamme - Die Pest geht um (Burgenwelt)
Leitstelle ins Glück - Rache und andere Geister (TextLust)
Das Tagebuch des Herrn Satànchia (WortKuss)
Chagrans Thron (Eridanus)


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 26 Jun 2013 18:37 
Seitenstricker
Seitenstricker

Registriert: 07 Mai 2009 09:14
Beiträge: 785
Wohnort: Köln
Danke Tatjana, da bin ich mit dir einer Meinung!

Und aus der Diskussion sticht immer wieder der gleiche Grundkonflikt: Manipulation durch... ja durch wen? Die Medien sicherlich, doch gibt es noch andere, mächtigere Instanzen. Wenn ich sie "Politik" nenne, dann ist das zu kurz gegriffen. Am besten nenne ich sie nach unserem genialen George Orwell den "großen Bruder". Dieser große Bruder säuselt uns doch erst ins Ohr, dass "Neger" gar nicht geht. Ohne diesen Manipulator würden wir uns doch nicht schämen, dieses Un-Wort auszusprechen, aber noch besser: Ohne diesen Manipulator würden sich unsere schwarzen Mitmenschen gar nicht bei diesem Wort beleidigt fühlen! Denn der "große Bruder" gehirnwäscht uns alle und betreibt geistige Zensur.
Und warum funktioniert das so gut? Und zwar immer wieder und wieder? Weil die meisten Mitmenschen, sprich: die Masse, lieber nur mitlaufen und mit/nachplappern, was ihnen ein oder mehrere Alpha-Männchen vorbrüllen, anstatt Verantwortung zu übernehmen, indem sie kritisch hinterfragen und sich bequemen unbequem zu sein.

_________________
http://www.abelinkun.de


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 26 Jun 2013 18:54 
Administrator
Administrator
Benutzeravatar

Registriert: 24 Aug 2004 14:05
Beiträge: 4979
Wohnort: Rostock
Dann bin ich also ein gehirngewaschener Idiot, der weder Verantwortung zeigt noch hinterfragt und sich frecherweise auch noch beleidigt fühlt, wenn man ihm höflicherweise nette Kosenamen gibt?

_________________
Zum Autor
Zum Lektor
Hilfe für Autoren


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 26 Jun 2013 19:20 
Seitenstricker
Seitenstricker

Registriert: 07 Mai 2009 09:14
Beiträge: 785
Wohnort: Köln
Thorongil hat geschrieben:
Dann bin ich also ein gehirngewaschener Idiot, der weder Verantwortung zeigt noch hinterfragt und sich frecherweise auch noch beleidigt fühlt, wenn man ihm höflicherweise nette Kosenamen gibt?


Gehirngewaschen? Das kann sein, denn das passiert schneller als man sich versieht.
Idiot? Sicher nicht! Hab ich aber auch nirgendwo geschrieben... Äh... willst DU mich jetzt etwa gehirnwaschen, indem du verunsicherst?
Verantwortung? Doch, zeigst du... indem du eben meine Aussage (s.o.) hinterfragst (damit haben wir die Frage nach dem hinter-fragen praktischerweise gleich mit abgehakt!)
Frech? Hab ich nicht gesagt, dass es frech sei, wenn man sich beleidigt fühlt... Denn es ist ja eben nur ein Gefühl.
Nette Kosenamen? Das ist das Wort dann, wenn es derjenige, der es ausspricht auch so meint... genauso wie er dieses Wort auch aus seiner persönlichen Gesinnung heraus als Schimpfwort einsetzen kann...

Aber worüber diskutieren wir hier? Die Manipulation ist doch geglückt und alle sind zufrieden: Wer möchte sich schon Repressalien einhandeln, indem er einen Schwarzen (oder von mir aus: Afro-Amerikaner, oder: Afro-Deutschen?) einen Neger nennt? Auch wenn es absolut nicht abwertend gemeint wäre? Ja, und ich gebe es zu... Ich schäme mich überhaupt an das Wort N.... gedacht zu haben!

_________________
http://www.abelinkun.de


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 26 Jun 2013 20:19 
Schreiberling
Schreiberling
Benutzeravatar

Registriert: 15 Nov 2009 13:48
Beiträge: 1777
Wohnort: Murnau am Staffelsee
Mir stellt sich bei dieser Diskussion ein wenig die Frage, warum wir einerseits zulassen, dass unsere deutsche Sprache kaputt gemacht wird, indem die englische Sprache pseudo-eingedeutscht (nein, eigentlich zwangseingedeutscht wird; Top-Beispiel immer noch "negoziieren"), und wir uns gleichzeitig selbst an der Demontage unserer Sprache beteiligen.
Den Begriff "Neger" zu verwenden, mag in bestimmten Zusammenhängen richtig, passend, gut sein. Wenn ich jemanden mit "Eyh, du Neger" anrede, ist es das nicht. Es gibt gute Alternativen. "Eyh, du Farbiger" ist auch nicht gut. "Eyh, du Irgendwas!" zeigt, dass das "Eyh, du" das Problem ist und nicht, was danach kommt. Es gibt, wie gesagt, gute Alternativen. Die muss ich hier nicht aufführen ---> siehe Duden.
Eine gute Alternative ist auch ein "Afro-Deutscher" nicht. Das ist auch nur eine neuerliche Übernahme aus dem Englischen bzw. Amerikanischen. Und was die Amis mit ihrer Sprache treiben, sollte uns dreimal egal sein. Amis haben keine einheitliche Sprache (die meisten amerikanischen Staatsbürger sprechen Spanisch!), sie haben keine Kultur (jedenfalls keine einheitliche) und sie haben (vor allem im Umgang miteinander) keinen Anstand. Ein ganz schlechtes Beispiel für was auch immer.

My.

_________________
'
Ohne Hund leben?
Was für 'ne blöde Idee ---

M’ hemm l-ebda g?adra –


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 26 Jun 2013 23:10 
Schreiberling
Schreiberling
Benutzeravatar

Registriert: 02 Apr 2006 10:08
Beiträge: 1507
Wohnort: Soest
Jede lebendige Sprache ändert sich, andauernd, ständig, immer.

Das Deutsche ist schon immer eine Sprache gewesen, die Fremdwörter in sich aufgenommen hat. Das ist eine ausgesprochene Qualität unserer Sprache.

Ernsthafte Analysen zeigen, dass Lehnwörter französischen Ursprungs im Deutschen häufiger vertreten sind als Englische. In den meisten Fällen erkennen wir sie als solche nur nicht.

"Neger" zählt auch zu diesen Lehnwörtern, denn es ist erst etwa im 18. Jahrhundert aus dem franzöischen Sprachraum zu uns gekommen. Und im Französischen geht es auf das Lateinische zurück. Kant verwendet Neger übrigens bereits so: "die neger von Afrika haben von der natur kein gefühl, welches über das läppische stiege." (Zitiert nach Grimm: Deutsches Wörterbuch). Ist auch nicht gerade positiv, oder? Nur weil es mal üblich war, ein Gruppe von Menschen als "Neger" zu bezeichnen, heißt es noch lange nicht, dass es sich dabei auch um eine positive oder wertfreie Bezeichnung handelt.

Ich halte es auch nicht für schlimm, für die eigenen Worte und Wortwahl gerade stehen zu müssen. Das ist nämlich kein Anzeichen für Unfreiheit, sondern für Mündigkeit. Gerade von Autoren erwarte ich, dass sie etwas nicht einfach so dahin schreiben, sondern Sprache bewusst einsetzen. Das bedeutet auch, dass ein Autor sich bewusst ist, dass es bestimmte Wörter gibt, die unterschiedliche Menschen/Gruppen sehr unterschiedlich verstehen. Ich würde sogar sagen, dass sich daran ein guter von einem schlechten Autor unterscheidet, natürlich nicht nur, aber auch.

Und wenn ihr Angst habt, die deutsche Sprache drohe zu verfallen, dann arbeitet doch bitte umso bewusster mit ihr, denn im Sprachgebrauch lebt und tradiert sich Sprache. Außerdem könnt ihr ja einem der zahlreichen sprachbewahrenden Vereine beitreten, von denen es heute so viele gibt wie nie zuvor.


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 27 Jun 2013 06:30 
Seitenstricker
Seitenstricker

Registriert: 07 Mai 2009 09:14
Beiträge: 785
Wohnort: Köln
Felix hat geschrieben:
Ich halte es auch nicht für schlimm, für die eigenen Worte und Wortwahl gerade stehen zu müssen. Das ist nämlich kein Anzeichen für Unfreiheit, sondern für Mündigkeit. Gerade von Autoren erwarte ich, dass sie etwas nicht einfach so dahin schreiben, sondern Sprache bewusst einsetzen. Das bedeutet auch, dass ein Autor sich bewusst ist, dass es bestimmte Wörter gibt, die unterschiedliche Menschen/Gruppen sehr unterschiedlich verstehen. Ich würde sogar sagen, dass sich daran ein guter von einem schlechten Autor unterscheidet, natürlich nicht nur, aber auch.


Ein guter Autor sollte immer wissen WARUM er ein bestimmtes Wort nutzt. Damit bin ich einverstanden :wave:

Interessant ist, wie sich die Diskussion hier entwickelt hat. Anfangs war dieses "N-Wort" überhaupt nicht das Thema :think:
Es ging eher um das Wort "behindert". Aber mir ist klar, dass sich darüber eine ähnliche Diskussion hätte entwickeln können, wenn sich jemand im Forum "betroffen" gefühlt hätte. Ich bin jedenfalls sehr dankbar für eure Beiträge, denn sie haben mich nachdenklich gemacht. Die Freiheit der Rede endet an der Stelle, wo sich jemand beleidigt oder gedemütigt fühlen kann.
Und weiter: die Grenze kann tatsächlich nur derjenige zumindest ein Stückchen weit überschreiten, wenn er den Text in eine vortreffliche Satire verpacken kann. Mir ist klar geworden, dass ich das aller Voraussicht nach nicht kann. Ich bin höchstens in der Lage, meine Wut und Hilflosigkeit wegen zunehmender Unfreiheiten (zumindest in meinen Augen...) der modernen Gesellschaft zu äußern und damit zu provozieren. Das möchte ich aber nicht. Darum lass ich es sein...

Nochmals danke :thumbup:

LG

Paul

_________________
http://www.abelinkun.de


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 27 Jun 2013 16:26 
Federhalter
Federhalter

Registriert: 07 Aug 2012 14:54
Beiträge: 69
"Die Freiheit der Rede endet an der Stelle, wo sich jemand beleidigt oder gedemütigt fühlen kann."
Es wäre sehr, sehr traurig und der Literatur völlig kontraproduktiv, wenn dem wirklich so wäre.

_________________
Damit manchem Leser das Lesen zwischen den Zeilen ermöglicht wird, muss man`s wohl zwischen die Zeilen schreiben.
http://www.canborges.de


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 27 Jun 2013 17:29 
Seitenstricker
Seitenstricker

Registriert: 07 Mai 2009 09:14
Beiträge: 785
Wohnort: Köln
:confusion-shrug:

_________________
http://www.abelinkun.de


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 27 Jun 2013 18:26 
Federhalter
Federhalter

Registriert: 07 Aug 2012 14:54
Beiträge: 69
Ich finde den allzu häufigen Gebrauch von sinnlosen Smileys in einem Literaturforum ohnehin schon etwas bedenklich und unpassend. Wenn es dann noch solch skurrile Ausmaße annimmt, dass der Unkundige nicht einmal mehr erkennen kann, was damit ausgedrückt werden soll, naja Abel ...

_________________
Damit manchem Leser das Lesen zwischen den Zeilen ermöglicht wird, muss man`s wohl zwischen die Zeilen schreiben.
http://www.canborges.de


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 27 Jun 2013 19:20 
Seitenstricker
Seitenstricker

Registriert: 07 Mai 2009 09:14
Beiträge: 785
Wohnort: Köln
CanBorges hat geschrieben:
Ich finde den allzu häufigen Gebrauch von sinnlosen Smileys in einem Literaturforum ohnehin schon etwas bedenklich und unpassend. Wenn es dann noch solch skurrile Ausmaße annimmt, dass der Unkundige nicht einmal mehr erkennen kann, was damit ausgedrückt werden soll, naja Abel ...



Ich schick dir dazu ne PN.

Gruß P.

_________________
http://www.abelinkun.de


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 27 Jun 2013 20:50 
Schreiberling
Schreiberling
Benutzeravatar

Registriert: 02 Apr 2009 19:07
Beiträge: 1822
Wohnort: 76275 Ettlingen
Eine sehr interessante Diskussion, die sich hier entwickelt hat und viele der Beiträge sind es sicher wert, dass man darüber nachdenkt.

Ganz zu Anfang stand ja die Frage: Gesellschaftskritik - wie weit kann ich gehen? Wenn man als Schreibender Gesellschaftskritik thematisieren will, so scheint mir aber eine andere Frage besser: Wie kann Gesellschaftskritik literarisch verpackt werden, damit sie entweder aufrüttelt, zum Nachdenken anregt oder was auch immer einen Literaten dazu treibt, Gesellschaftskritik zu thematisieren.
Soweit ich die Diskussion bislang verstanden habe, geht es um das Thema: Manipulation durch die Medien. Das ist der erste Ansatz, aber es braucht eine weitere Frage: was bezweckt diese Manipulation? Da Gesellschaftskritik weniger die zahlreichen Details im Auge hat, wie den genannte Umgang mit Randgruppen, sondern eher den umfassenden Überbau sucht, könnte eine der möglichen Antworten vielleicht lauten: Manipulation durch die Medien bezweckt den Ja-sagenden und somit pflegeleichten Bürger. Das könnte dann das Thema eines gesellschaftskritischen Romans sein und man müsste nur noch die inhaltlichen Fragen klären: Welche Figur zieht die Fäden bei der Manipulation, was wird aus einem Volk, das sich manipulieren lässt, wissen die Zugpferde der Manipulation von ihrer Rolle oder glauben sie eher an eine gute Sache? Usw ...
Michel Endes „Momo“ ist übrigens in meinem Augen ein ganz hervorragender gesellschaftskritischer Roman.

Liebe Grüße
Angela

_________________
Angela Mackert:
http://www.amazon.de/Zigeuner-Wahrsagekarten-Set-Kartenlegen-Einsteiger-Wahrsagekarten/dp/3809430250/ref=sr_1_8?s=books&ie=UTF8&qid=1352049890&sr=1-8
http://www.textlustverlag.de


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
BeitragVerfasst: 28 Jun 2013 06:39 
Seitenstricker
Seitenstricker

Registriert: 07 Mai 2009 09:14
Beiträge: 785
Wohnort: Köln
Nut hat geschrieben:
Manipulation durch die Medien bezweckt den Ja-sagenden und somit pflegeleichten Bürger.


Genau das ist mein Reden! Die Frage aber die sich anschließt ist: Wer steuert die Medien?? Und wenn man nicht aufpasst, wird man plötzlich als irrer Verschwörungstheoretiker in die Ecke gestellt.
Tatsache aber ist, dass sich unsere Gesellschaft immer mehr in Richtung funktionierender, unkritischer Ameisenstaat entwickelt, um das sterbende kapitalistische Wachstumsprinzip möglichst lange noch am Leben zu halten. Dazu dient insbesondere der Abbau der traditionellen familiären Bindungen und Strukturen. Ziel ist es, dass die Solidarität und Bindung zum Staat und der Gesellschaft (=Ameisenhügel) stärker ist als zur Familie (Partner, Kinder). Indizien dafür gibt es genug:

1. Arbeit und Beruf werden immer mehr in den Mittelpunkt des Lebens gerückt. Wir werden zum Arbeitstier mit einem 10-12 Stunden Arbeitstag, insbesondere gilt das für die sogenannten Leistungsträger.
2. Flexibilität im höchsten Maße wird vom Arbeitnehmer gefordert. Heute noch arbeitest du in Berlin, morgen schon in Paris oder New York. Eine funktionierende Partnerschaft, geschweige denn Ehe, ist so kaum aufrecht zu halten.
3. Aufgrund von 1. und 2. gehen Scheidungsraten hoch bzw. man bindet sich erst gar nicht. Der Single-Haushalt ist geboren. Man kann sich noch mehr in die Arbeit stürzen.
4. Die Patch-Work-Family ist geboren und wird als die "normale" Familiensituation in den Medien (Film, Fernsehen) dargestellt.
5. Kinder sind wichtig, da sie später produzieren und konsumieren sollen, damit wir wachsen. Bis dahin sind sie aber ein Störfaktor, da sie die Eltern am Produzieren hindern. Darum müssen die Kinder bereits mit 1,5 Jahren in die Kita.
6. In der Kita werden die Kinder den Eltern entfremdet und können entsprechend den Bedürfnissen des Ameisenstaates geformt werden.
7. Da , wie oben aufgeführt, das traditionelle Familienbild verdrängt werden soll, ist es auch folgerichtig, dass Partnerschaften von Schwulen und Lesben den Hetero-Paaren gleichgestellt werden.


O jehhh...! Was habe ich bloß mit dieser Stellungnahme wieder losgetreten? Aber hier steh ich nun und kann nicht anders ;)

_________________
http://www.abelinkun.de


Nach oben
 Profil Private Nachricht senden  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 37 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3  Nächste

Ändere Schriftgröße


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  
phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de